KI im Vertrieb: 5 Aufgaben für den Start
Und 3, bei denen du besser wartest.
Von Kevin Lueck· · 7 Min. Lesezeit
Inhalt
- 5 Aufgaben, mit denen du anfangen solltest
- 1. Gesprächsnotizen und CRM-Pflege
- 2. Erste Einschätzung eingehender Anfragen
- 3. Angebotsentwürfe
- 4. Nachfassen
- 5. Vorbereitung auf den Termin
- 3 Aufgaben, bei denen du besser wartest
- In 14 Tagen herausfinden, ob es sich lohnt
- Datenschutz und AI Act: das Minimum
- Wo es sinnvoll ist, das nicht allein zu machen
Die meisten Vertriebsteams im Mittelstand haben kein Wissensproblem, sondern ein Zeitproblem. Wer an einem Tag 3 Kundentermine hat, schreibt das Protokoll abends, das Angebot am Wochenende und die Nachfassmail irgendwann nächste Woche. Genau an diesen Stellen hilft KI. Nicht beim Verkaufen selbst.
Das klingt unspektakulär. Ist es auch. Aber hier liegt der Hebel, den du in wenigen Wochen testen kannst, ohne dein CRM auszutauschen.
5 Aufgaben, mit denen du anfangen solltest
1. Gesprächsnotizen und CRM-Pflege
Tools zur Transkription schreiben Kundengespräche mit, fassen sie zusammen und können Ergebnisse ins CRM übertragen. Bekannte Beispiele sind Fireflies, Otter, tl;dv und Fathom.
Warum zuerst? Weil Fehler hier billig sind. Eine schiefe Zusammenfassung korrigierst du in 10 Sekunden. Ein falsches Angebot bemerkt der Kunde.
Eine Sache vorab: Aufgezeichnet wird nur mit Zustimmung deines Gesprächspartners. Ein Satz zu Beginn reicht ("Ich lasse die Notizen automatisch mitschreiben, ist das für Sie in Ordnung?").
2. Erste Einschätzung eingehender Anfragen
Eine Anfrage kommt über das Formular. Eine KI prüft 4 Dinge: Passt die Branche? Passt die Größe? Worum geht es? Wann soll es losgehen? Danach folgt entweder eine Rückfrage oder ein Terminvorschlag.
Entscheidend ist, dass du die Kriterien selbst festlegst. Ohne klare Regeln bewertet die KI nach Gefühl, und das ist bei Leads genauso unbrauchbar wie bei Menschen.
Der eigentliche Gewinn ist die Geschwindigkeit: Wer in Minuten antwortet statt am nächsten Tag, erreicht den Interessenten noch, solange er das Thema im Kopf hat. Das ist ein Erfahrungswert aus der Praxis, kein Studienergebnis.
3. Angebotsentwürfe
Hier spart sich am meisten Zeit, wenn du wiederkehrende Leistungen anbietest. Die KI zieht sich Anfrage, Preisliste und frühere Angebote und baut daraus einen Entwurf. Du prüfst Preise und Leistungsumfang und gibst frei.
Wichtig ist das letzte Wort: Du gibst frei. Preise und Zusagen entscheidet kein Automat.
4. Nachfassen
Auf viele Angebote kommt keine Antwort, nicht aus Desinteresse, sondern weil es im Alltag untergeht. Eine automatische Erinnerung nach 5 Tagen ohne Reaktion fängt genau diese Fälle ab. Bau eine Regel ein, die sofort stoppt, sobald der Kunde antwortet. Nichts wirkt schlimmer als eine Erinnerung an ein Gespräch, das längst läuft.
5. Vorbereitung auf den Termin
5 Minuten Recherche vor jedem Gespräch: Was macht das Unternehmen, was gab es zuletzt an Neuigkeiten, wer sitzt am Tisch? Eine KI liefert dir das als Kurzprofil aus öffentlichen Quellen. Du liest es im Auto, nicht in der Eingangshalle.
3 Aufgaben, bei denen du besser wartest
Massenmails an Kaltkontakte ohne Prüfung. Hier drohen dir nicht nur Spam-Ordner, sondern auch rechtliche Probleme. Für Werbe-E-Mails brauchst du in der Regel eine Einwilligung, und Ausnahmen sind eng gefasst. Lass das im Zweifel juristisch prüfen.
Preise und Rabatte automatisch entscheiden. Eine KI kennt deine Marge nicht, deine Kundenbeziehung auch nicht.
Den ersten Kontakt zu wichtigen Kunden komplett abgeben. Bei den 5 Kunden, die den Großteil deines Umsatzes ausmachen, will niemand mit einem Bot beginnen.
In 14 Tagen herausfinden, ob es sich lohnt
Du brauchst dafür keine Studie, sondern eine Strichliste.
- Eine Aufgabe auswählen, nicht 5. Für die meisten Teams ist das die Gesprächsnotiz oder das Nachfassen.
- Eine Woche lang messen, wie lange die Aufgabe heute dauert. Ehrlich, mit Stoppuhr.
- 2 Wochen mit 1 bis 2 Personen testen.
- Rechnen: eingesparte Stunden mal interner Stundensatz, minus Kosten für das Tool und die Einrichtung.
Wenn die Zahl nach zwei Wochen nicht klar im Plus ist, ist das Ergebnis auch eine Antwort. Dann wechselst du die Aufgabe, nicht die Hoffnung.
Eine Anmerkung zu Zahlen: Im Netz kursieren viele Prozentwerte zu Effizienz und Abschlussquoten. Die meisten stammen von Anbietern und sind nicht unabhängig geprüft. Wir nennen deshalb keine, die wir nicht belegen können.
Datenschutz und AI Act: das Minimum
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit jedem Anbieter, der Kundendaten verarbeitet. Server in der EU sind die einfachere Lösung.
- Keine Kundendaten in privaten ChatGPT-Konten. Nutze Zugänge, die du als Unternehmen steuerst.
- Kennzeichne KI-Kontakte. Wer mit einem Chatbot oder einer Sprach-KI spricht, sollte das erfahren.
- KI-Kompetenz im Team: Der AI Act verpflichtet Unternehmen, die KI einsetzen, ihre Mitarbeitenden angemessen zu befähigen. Die Details haben sich 2026 geändert. Prüfe den aktuellen Stand mit deinem Datenschutzbeauftragten oder einer Kanzlei, bevor du dich auf Fristen verlässt.
Wo es sinnvoll ist, das nicht allein zu machen
Die Auswahl der Tools ist selten das Problem. Schwierig wird es an den Übergängen: Wie kommt die Zusammenfassung zuverlässig ins richtige CRM-Feld? Wer prüft den Entwurf? Was passiert, wenn die Schnittstelle ausfällt? Wenn du dafür Unterstützung willst, schauen wir im Erstgespräch gemeinsam, welche der 5 Aufgaben bei dir zuerst dran ist.
Häufige Fragen
Brauche ich dafür ein neues CRM?
Nein. In den meisten Fällen reicht die Anbindung an dein bestehendes CRM über eine Schnittstelle. Ein Systemwechsel ist für den Einstieg nicht nötig.
Was kostet der Einstieg?
Reine Transkriptions-Tools beginnen oft bei einem niedrigen zweistelligen Euro-Betrag pro Nutzer und Monat, manche haben Gratis-Stufen. Ein sauber angebundener Ablauf kostet je nach Aufwand mehr. Entscheidend ist die Rechnung aus eingesparten Stunden und Gesamtkosten.
Ersetzt KI meine Vertriebsmitarbeiter?
Nein. Sie nimmt Routine ab, also Notizen, Entwürfe und Erinnerungen. Beziehungsaufbau, Verhandlung und Entscheidungen bleiben beim Menschen.
Ist das mit der DSGVO vereinbar?
Ja, wenn die Grundlagen stimmen: Auftragsverarbeitungsvertrag, eine passende Rechtsgrundlage, Aufzeichnung nur mit Zustimmung und ein Löschkonzept. Im Zweifel lass es juristisch prüfen.
Quellen
Über den Autor
Kevin Lueck
Geschäftsführer, KI nerds
